pforte um sieben - Generalprobe 5 / Abenteuer Re:sonanz

Donnerstag, 13.09.2018 19:00
 
 

800 Jahre Musikgeschichte auf einer Wanderung durch die Stadt Feldkirch


Anlässlich des großen Jubiläums "Feldkirch 800" lassen wir auf einer konzertanten Wanderung Musik aus auch Jahrhunderten widerhallen. In fünf Konzerten à 30 Minuten mit 30-minütigen Pausen dazwischen durchwandern wir gleichzeitig die Stadt Feldkirch und 800 Jahre Musikgeschichte. Wir starten um 18 Uhr im Dom St. Nikolaus und schließen um 23 Uhr vor dem Montforthaus bzw. im Alten Hallenbad, Auf der Wanderung begegnen uns einige Schlüsselmomente der Musikgeschichte des Abendlandes. Wir blicken auf sinnliche, begeisternde Weise tief in die Geheimnisse von gesellschaftlichen und kulturellen Übergängen. Als kompetente Begleiterin auf dieser Wanderung wird uns Natalie Knapp kurze Gedankenimpulse mit auf den Weg geben. die faszinierende deutsche Philosophin und Publizistin hat sich in ihrem aufsehenerregenden Buch "Der unendliche Augenblick - Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind" mit den Geheimnissen und der Dynamik von Übergängen beschäftigt.


18 Uhr Dom St. Nikolaus | Ausbruch aus dem Strom der Melodie | Feldkircher Kammerchor, Leitung: Benjamin Lack

Mit einem Präludium reisen wir ins Jahr 1218. Einer der spannendsten Übergänge in der Geschichte der Musik vollzieht sich in diesen Tagen. Nach Jahrhunderten des gregorianischen Gesanges in der Sakralmusik entwickelt sich in dieser Zeit eine frühe Mehrstimmigkeit: die fließenden ruhigen Gesänge des gregorianischen Chorals werden von Gesängen abgelöst, in denen sich über diesen ruhigen Melodien pulsierende Rhythmen bilden - ein gewaltiger Paradigmenwechsel: Bedeute die Einstimmigkeit, dass alle Sänger sich in den Strom der Melodie einordnen, so bringt diese Mehrstimmigkeit eine erste Individualisierung. In den deutlich lebendigeren und auch unruhigeren Gesängen vollzieht sich in der geistlichen Musik die erste Hinwendung zur diesseitigen Welt. Die Entwicklung findet einen ersten Höhepunkt in der Vokalmusik der Frührenaissance.


19 Uhr Kapelle des Vorarlberger Landeskonservatoriums | die Revolution des Basso Continuo | Ensemle ConCorda

Wir befinden uns im Norden Italiens zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Venedig ist unser Ziel: Gleich mehrere Resonanzphänomene führen zu einer unglaublichen musikalischen Revolution. Das heliozentrische Weltbild setzt sich durch und findet im Basso continuo nach Jahrhunderten kontrapunktischer Mehrstimmigkeit sein musikalisches Gegenüber. Gleichzeitig wendet sich die Musik immer mehr dem zivilen Leben zu, die Erfindung der Geige fällt in diesen dramatischen Übergang. Die Entstehung einer von der Vokalmusik unabhängigen Instrumentalmusik vollzieht sich und gibt der unbändigen Vitalität dieser Zeit neue Ausdrucksmöglichkeiten. Eine bis dahin nicht gekannte Emotionalität und Freiheit zieht in die sogenannte "Kunstmusik" ein.


20 Uhr Festsaal des Vorarlberger Landeskonservatoriums | 24 Geigen des Königs | Les Folies Francoises und Studenten des Vorarlberger Landeskonservatoriums, Feldkircher Kammerchor, Vokalensemble des Vorarlberger Landeskonservatoriums Leitung: Benjamin Lack

Nach dem fulminanten Aufbruch in Venedig richten wir unseren Blick auf einen einzigartigen Höhepunkt barocker Pracht. Die "Vingt-quatre Violons du Roy" sind wahrscheinlich das sagenumwobenste Orchester der Musikgeschichte: 20 Violin-Instrumente in verschiedenen Größen, von denen einige verschollen sind. Patrick Cohen-Annekine, künstlerischer Leiter des Ensembles "Les Folies Francoises", hat die Instrumente dieses legendären Orchesters in einer spektakulären Forschungsarbeit rekonstruieren lassen. Die 24 Geigen des Königs werden in Feldkirch gemeinsam mit dem Feldkircher Kammerchor zu hören sein und so den Glanz dieses wohl berühmtesten Orchesters des 17. Jahrhunderts nach Feldkirch bringen.


21 Uhr Festsaal des Vorarlberger Landeskonservatoriums | Der Beginn des Dialogs | Pforte-Kammerorchester Einstudierung: Klaus Christa

epos:quartett Christine Busch, Violine, Verena Sommer, Violine, Klaus Christa, Viola, Francois Poly, Violoncello

Im Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts vollzieht sich ein weiterer großer Schritt in eine neue Welt. Joseph Haydn entdeckt das Kompositionsprinzip der thematisch-motivischen Arbeit - eine Revolution in der Musik: Aus kleinen Motivzellen werden riesige musikalische Gebäude entwickelt. Die entscheidenden Impulse erhält Haydn von einem Musiker, den er nie persönlich kennen lernte, C.P.E. Bach - diese Resonanz-Fernbeziehung veränder den Lauf der Musikgeschichte und leitet eindrucksvoll eine gesellschaftliche Demokratisierung in der Musik ein: Die französische Revolution wird musikalisch vorhergesehen, der Dialog hält Einzug in die Musik.


22 Uhr Festsaal des Vorarlberger Landeskonservatoriums | Verklärte Nacht | epos:quartett Christine Busch, Violine, Verena Sommer, Violine, Klaus Christa, Viola, Francois Poly, Violoncello, N.N. Viola, Mathias Johansen, Violonchello

Ein Jahrhundert später vollzieht sich in Wien ein weiterer drastischer Wandel: Die Tonalität gerät an ihre Grenzen. Es ist eindrucksvoll und beklemmend zu beobachten, wie sich die große Explosion des Ersten Weltkrieges in der Musik ankündigt. In Arnold Schönbergs sinnlichem Streichsextett "Verklärte Nacht", das 1899 an der Schwelle zum neuen Jahrhundert entstand, erklingt die letzte Fülle der Spätromantik. Unbändiger Ausdruckswille in einer herbstlichen Stimmung, so könnte man das musikalische Klima des beginnenden 20. Jahrhunderts beschreiben. Der Kreis um Schönberg erforscht die Ausdrucksmöglichkeiten bis an seine Grenzen, bei Anton Webern vollzieht sich ein epochaler Schritt: In seinem Opus 9 sprengt er die Grenzen der Tonalität und reduziert die so ausladend gewordenen Formen auf das Allernötigste: mit wenigen, hochexpressiven Gesten erschafft er eine ganze Welt.


23 Uhr Platz vor dem Montforthaus (Bei Schlechtwetter im Alten Hallenbad Feldkirch) | No Borders! | Feldkircher Kammerchor David Helbock Piano und Komposition, Großes Tutti mit MusikerInnen des Abends Leitung: Benjamin Lack

Wir befinden uns im Jahr 2018 in Feldkirch: In einer Uraufführung eines eindrucksvollen, berührenden Werkes für Chor und Instrumente werden wir den letzten Schritt dieser Wanderung und einen feierlichen Schritt in das 21. Jahrhundert der Stadt Feldkirch vollziehen. Eine Zeit, in der die musikalischen Grenzen verschwimmen und das vormals Getrennte miteinander in Resonanz geht.


"Ich suche für mein Stück für Chor, Klavier und Solisten moderne Grenzen, da man überschreiten kann. Ich finde, wir leben in einer spannenden musikalischen Zeit, in der sowieso viele Grenzen verschwimmen und vermeintlich Gegensätzliche miteinander in Resonanz gehen:

Komposition - Improvisation

Zeitgenössische Musik - Jazz

Ernste Musik - populäre Musik

Abendländische Musik - Musik aus anderen Kulturen

Akustische Musik - Elektronische Musik." (David Helbock)

Foto: Astrid Dill


Information und Verantalter:

Kulturreferat der Stadt Feldkirch

Schlossergasse 3

A-6800 Feldkirch

info@pforte.at