WELT AM DRAHT / M
nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder
Mittwoch, 14.11.2018 19:30
 

Inszenierung: Niklas Ritter


Agent Fred Stiller wird überraschend zum Leiter des „Instituts für Kybernetik und Zukunftsforschung“ (IKZ) befördert. In wessen Interesse? Welche höhere Macht steht dahinter? Sein Vorgänger Professor Vollmer verstarb auf mysteriöse Art und Weise, auch sein Kollege Lauser verschwindet unvermittelt nach einer Partygesellschaft und niemand außer Stiller will ihn gekannt haben. Stillers Nachforschungen bringen ihn in Gefahr.

Im Institut wird ein Supercomputer namens Simulacron-1 entwickelt, der genaue ökonomische, politische und wissenschaftliche Zukunftsprognosen ermöglichen soll. Mit ihm erschaffen Wissenschaftler künstliche Wesen, sogenannte Identitätseinheiten, die in nahezu perfekt programmierten Welten leben. Diese Wesen sehen nicht nur aus wie Menschen, sondern haben ebenfalls Gefühle und Bedürfnisse nach Wissen, Sexualität, Liebe und individueller Identität. Was ist Scheinwelt und was Realität, was ist Traum, was Wirklichkeit, gibt es einen freien Willen? Ist Stiller selbst ein programmiertes Wesen einer künstlichen Wirklichkeit? Fassbinders Zukunftsvision von 1973, ihrer Zeit weit voraus und brandaktuell, ist in ihrem Genre längst zum Klassiker avanciert und verhandelt Fragen, die uns in Zeiten von globaler Vernetzung, Big Data und Algorithmen unter den Nägeln brennen. Sein einziger Science-Fiction-Film beschreibt bereits 28 Jahre vor MATRIX (The Wachowskis) verschiedene Ebenen von Wirklichkeiten und das Leben als digitale Simulation irrealer, erfundener Welten. Das Drehbuch des gleichnamigen Fernsehfilms, zweiteilig 1973 für den WDR produziert, wurde nach dem Science-Fiction Roman SIMULACRON III – des amerikanischen Autors Daniel F. Galouye entwickelt. Durch sein Spiel mit virtuellen Realitäten steht er in der Tradition von Pedro Calderón de la Barcas DAS LEBEN EIN TRAUM aus dem 16. Jahrhundert oder Georg Orwells 1984, erschienen 1948. Es ist weniger ein futurologisch als vielmehr ein existenzphilosophischer Blick Fassbinders auf drängende Fragen einer technikhörigen Welt.